Tweet-Archiv

Seit  heute gibt es auch mein Konto im Heise-Forum nicht mehr. Stattdessen gibt es jetzt … und hier: das finale Bitnacht Archiv von Svens Tweets zum Lesen und Ausdrucken. Das ist in diesem Fall eigentlich nichts ganz so besonderes, denn im Dezember 2017 habe ich das schon einmal gemacht.

Zum Ausgleich für meinen scheinbaren Rückzug aus der Online-Welt will ich versuchen, an jedem Wochenende etwas Neues auf Bitnacht zu haben. Es muss nicht immer etwas besonderes sein. Aber ich will versuchen, es abwechslungsreich zu machen.

Glosse: Für den anderen Computer

Cross Plattform Entwicklung ist überall. Wer Software für ein Smartphone oder einen Mikrocontroller schreibt hat meist keine Wahl: Übersetzt wird auf einem anderen Computer. In den 90ern trat Java an, um das ganz einfach zu machen. Java ist eine virtuelle Maschine und deshalb läuft ein Programm, das auf irgendeinem Rechner geschrieben wurde überall. Oder nicht?

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In der Praxis ist es ja so, dass es gute Gründe gibt, warum man ein Programm für einen bestimmten Computer schreibt. Im Falle des Smartphones will man beispielsweise, dass das Programm mit einem Touchscreen funktioniert und dass man es unterwegs in der Hosentasche haben kann. Es soll auch mit einer fragilen Netzwerkanbindung laufen (wenn man mal wieder nur Edge hat) und vielleicht soll es auf die Daten zugreifen können, die im Handy gespeichert sind. Nichts davon habe ich auf dem PC (oder Mac), auf dem ich programmiere. Ich muss etwas simulieren, oder ich muss nach jedem Kompilieren das Programm neu übertragen. Letzteres ist leicht, wenn es um das eigene Handy geht, aber nicht alle Cross Plattform Entwicklungen sind da so reibungslos.

Programme leben von Input und Output und wenn dieser zwischern Entwicklungsrechner und Zielgerät verschieden ist, dann nützt auch eine universelle Sprache und eine virtuelle Maschine nicht viel. Entwicklung ist dann nur noch mittelbar. Wenn Karl Marx von der Entfremdung des Arbeiters von seiner Arbeit (bzw. seinem Produkt) spricht, dann könnte man hier von der Entfremdung von Programmerstellung und Programmablauf reden.

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Wie glücklich war doch die Programmiererin1 für C64 Software! Sie hatte genau die Maschine, die der Kunde auch hatte. Sie hatte genau so viel Speicher, genau so viel MHz, genau die gleiche Tastatur und eine Sekunde nachdem sie etwas programmiert hatte, konnte sie es sehen, wie es war - zumindest, wenn sie Maschinensprache und/oder Basic benutzte.

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Ich als Zuhause-Mac-Und-In-Der-Firma-Windows-User, der gelegentlich Programme für vier bis acht verschiedene Plattformen schreibt, finde es oft ermüdend, die Unterschiede zwischen den Systemen zu Überbrücken. Oft könnte man auch mit der schlechteren Lösung leben, wenn es doch wenigstens überall dieselbe wäre. Manchmal gibt es gute Gründe für die Unterschiede. Aber ist die Technik nicht inzwischen beinahe ausgereift? Könnten wir auf DIN-Tastaturen, UTF-8 und POSIX-Spezifikationen nicht noch „einen draufsetzen“ und jeden Computer - egal wie klein und spezialisiert - mit einer Programmierumgebung zu liefern, die lokal funktioniert und einem gemeinsamen Standard folgt?

Niemand arbeitet daran. In den 90ern gab es für Linux den AmiWM, MLVWM und FVWM95 um dem User eine vertraute GUI zu geben. Emacs hat einen VI-Mode und der Mac kann Control und Command tauschen, um Windows Shortcuts zu simulieren. All das geht nicht weit genug und ein gemeinsamer Standard kann auch nicht nur aus dem imitieren eine bestimmten Systems bestehen. 

Auch am anderen Ende geschieht nichts. Visual Studio wird unter konfusen Lizenzen zum Teil teuer verkauft, selbst wenn man schon drei Windows-Installationen besitzt, und wer glaubt, die GUI des aktuellen Office damit programmieren zu können, der täuscht sich: Hier nutzt Microsoft eine nicht veröffentlichte Bibliothek mit anderem Look & Feel. XCode ist zwar gratis, aber auf dem iPad Pro gibt es von Apple nur die Playgrounds, die eine tolle Idee sind, aber irgendwie nicht für richtige Programme reichen. Andere Anbieter haben für iPad und Windows durchaus Angebote, aber sie werden von Apple und Microsoft nicht ernsthaft genug unterstützt und liefern keine gute Integration und Performance. Zwar kann ich auf meinem Mac für jedes System Programme schreiben, aber sie sehen oft nicht aus, wie die mitgelieferten. Ich kann ein Windows-Programm auf dem Mac auch nicht vollständig testen, weil die Pfadnamen ganz anders gebildet werden, weil es andere Codierungen und Dateisysteme gibt und weil jede Systemfunktion irgendetwas anders macht. Aber selbst im Idealfall ist Cross Plattform oft eine Pein, denn beispielsweise kann ich ein iOS-Programm nicht einfach einem Freund geben, es geht schon, aber:

A provisioning profile is a collection of digital entities that uniquely ties developers and devices to an authorized iPhone Development Team and enables a device to be used for testing. A Development Provisioning Profile must be installed on each device on which you wish to run your application code. Each Development Provisioning Profile will contain a set of iPhone Development Certificates, Unique Device Identifiers and an App ID. Devices specified within the provisioning profile can be used for testing only by those individuals whose iPhone Development Certificates are included in the profile.

Und bevor jetzt jemand kommt und sagt, unter Android wäre das alles besser: ich habe einmal versucht ein kostenloses Android-Spiel aus dem Play-Store auf einem PC zum laufen zu bringen. Das funktioniert nur, wenn man mit einem Android-Smartphone (das ich nicht besitze) bereits eine ID bekommen hat, die man dann angeben muss. Um überhaupt so weit zu kommen, installiert man einen Haufen instabiler Beta-Software aus zweifelhaften Quellen. Das Ergebnis ist die Arbeit sicher nicht wert.

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1 Ich habe mir mal erlaubt nach der Methode von CATS zu gendern: Man wählt im Text zufällig Personen aus, die weiblich sind.

Tolkien Ausstellung in Oxford

Eine kurze Reise brachte mich vor ein paar Wochen unter anderem nach Oxford. Ich hatte vorher kaum über die Reise nachgedacht, um so mehr war ich begeistert, denn wir entdeckten überraschend eine Ausstellung mit Handschriten und Zeichnungen von J.R.R. Tolkien. 

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Die Ausstellung ist in der Bodleian Bibliothek und noch bis zum 28.10 geöffnet. Eintritt muss man keinen zahlen, um in den mittelgroßen Raum, der für die Ausstellung genutzt wird, zu gelangen. Wenn man schonmal in der Gegend ist, sollte man gegenüber bei Blackwell’s vorbeischauen, wo es wirklich interessante Bücher und Poster gibt. Darunter auch das Buch „Do you think you’re clever?“, in dem man einige der absurden, aber ernst gemeinten Fragen aus den Abschlussprüfungen der renommierten Universität nachlesen kann. Natürlich gleich mit einer passenden Antwort.

Fans von Alice im Wunderland finden natürlich auch einiges in der Gegend, denn auch Lewis Carrol war ja Professor hier (und C.S. Lewis auch).

Bye, Bye Facebook

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Ich verlasse jetzt Facebook und Twitter. Ich habe schon länger darüber nachgedacht, aber jetzt ist es soweit. Ich male lieber wieder mehr Bilder und mache wieder mehr Musik und verzichte darauf die neuesten „Memes“ zu teilen.

Es geht mir also nicht nur um Hasspredigten, Fake News und Datenskandale - nicht nur um Monopolmissbrauch und schlechte Algorithmen… Ich glaube, dass ich die Menschen, mit denen ich Kontakt habe, auch ohne Facebook und Twitter nicht aus den Augen verlieren werde. Im Gegenteil: ich erwarte sogar, dass es manchmal persönlicher und interessanter sein wird, wenn man sich unterhält.

Ich gehe niemandem verloren. Alle, die das hier lesen, sind ja schon hier: auf meiner Webseite. Im Impressum steht meine E-Mail-Adresse, und ich stehe auch im Telefonbuch. Wenn sich jemand von Euch meldet, werde ich mich sicher freuen. 

Viele Grüße an Euch alle und auf ein baldiges Wiedersehen!

Kosinus, der Comic aus Happy Computer

Ursprünglich sollte das im Markt & Technik Verlag erschienene Magazin „Hobby Computer“ genannt werden, aber der Name „Hobby“ war schon für Zeitschriften eingetragen. Die Umbenennung war vielleicht ein Glücksfall, denn so war es natürlich sehr leicht, den lustige Elemente in die Zeitschrift zu bringen.

Damals waren wir vielleicht im gleichen Alter, der Kosinus, meine Freunde und ich. Leider konnte ich nicht jeden Monat zwei Computerzeitschriften kaufen und die 64er (und später das Amiga Magazin) musste man ja gelesen haben, wenn man mitreden wollte. Deshalb gab es die Happy bei mir eher selten. Um so wichtiger war es vielleicht, dass Kosinus dem Nerd in uns stets - mit viel Humor - einen Spiegel vorgehalten hat.

Das aufregende Leben der Hundekuh


In dem Bild fehlt offensichtlich Tech-Note 31. Warum? Außerdem wurde hier etwas verwechselt. Das könnte ich jetzt einfach so mysteriös stehen lassen, aber stattdessen gibt es hier  jetzt einen Link, der alles erklärt:

http://www.macfreek.nl/humour/tn31.html.

The Humane Interface

Jef Raskin war auf seine Weise eine schillernde Figur. Mit klarem Fokus und soliden Prinzipien drückte er nicht nur dem Canon Cat und dem Macintosh seinen Stempel auf. Viele seiner Thesen fanden auch an unerwarteten Orten ihre Anwendung. Das bekannteste Buch aus seiner Feder ist vermutlich »The Humane Interface«, das bei Addison Wesley erschienen ist. Anfang des Jahres legte ich mir das Buch zu und las bei fast jeder Gelegenheit aufmerksam und mit leichtem Zweifel in dem 233 Seiten starken Werk.

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Was GUI-Design angeht bin ich kein unbeschriebenes Blatt. Schon in jungen Jahren verschlang ich das CATS-Buch, das im Gegensatz zu »Microsoft Widows User Experience« weniger umfangreich, aber dafür wesentlich durchdachter und eher allgemeingültig ist. Obendrein ist das Amiga-Buch so schön geschrieben, dass man es wirklich gerne liest.

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Letzteres ist bei Raskin nicht unbedingt der Fall. Oft hält sich an einer Beschreibung länger auf, wenn eine prägnante Liste dem Zweck besser gedient hätte. Auch hat er seine persönlichen Vorlieben, die er schon mal versehentlich unter fachlich begründete Aussagen mischt, ohne das kenntlich zu machen. Mitunter bewirbt der Autor hier seine eigenen Produkte.

Was das Buch aber bedeutsam macht, ist dass es über Nutzerschnittstellen in ungewohnter Tiefe und vor allem grundlegend reflektiert. Diese Form der Betrachtung ist wichtig, denn jeder der viel mit Rechnern arbeitet, kennt die Frustration, die von schlechter Software erzeugt wird. Es ist schwer vorstellbar, dass jemand nach der Lektüre von »The Humane Interface« noch unbedacht Modi in sein Programm einfügt, oder Wahlschalter benutzt, bei denen An- und Aus-Zustand verwechselt werden können.

Das Buch zeigt allerdings auch sein alter, denn obschon Touch-Interfaces erwähnt werden, passen die Empfehlungen von Raskin eher in eine Zeit, als noch der Gebrauch von physischen Tastaturen die vorrangige Eingabemethode war. Der Umgang mit Audio- und Videomaterial fehlt praktisch vollständig und selbst bei Bildbearbeitung sind die Untersuchungen eher schwach. 

Bitnacht Wertung: ☽☽☽✦✦ (drei von fünf Mondnächten)

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Optische Gestaltungstipps, wie hier in „The Icon Book“ von Horton, fehlen im Buch von Raskin.


MacThink!

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Vera Felicitas Birkenbihl ist - wie man sagt - eine Legende. Die mit 65 Jahren verstorbene Autorin und Trainerin war mit ihrer eigenen Sendung im Fernsehen zu sehen und ihre Bücher »Birkenbihls Denkwerkzeuge« und »Stroh im Kopf« verkaufen sich noch heute gut. Weniger bekannt ist, dass sie sich in den 80ern mit Computerliteratur einen Namen gemacht hat.

Das 272 Seiten umfassende Buch »MacThink!« verspricht im Untertitel, die Intelligenz und Kreativität des Lesers mit einem Mac steigern zu können.

Das klingt abenteuerlich - nicht nur, weil man sich natürlich fragt, ob andere Computer nicht das gleiche können sollten. Aber das Buch ist von 1985 und Birkennbihl ist der Überzeugung, dass die grafische Benutzerschittstelle, die  noch neu war, dem Anwender ermöglicht, in abstrakterer und dem menschlichen Denken angemessener Form zu arbeiten. Man könne damit mehr erreichen, als mit den Kommandozeilensystemen, die damals bei anderen Herstellern noch Stand der Technik waren. Dabei geht es ihr auch um die Arbeitsergebnisse, die nicht nur aus Buchstaben, Zahlen und Tabellen bestehen sollen. Stattdessen sollen unterschiedliche Schriften, Zeichnungen und Diagramme so verwendet werden, dass sie ihr volles Potential an Ausdrucksstärke entwickeln können. Ohne WYSIWYG und Freihandzeichnen mit der Maus erscheint ihr das kaum denkbar.

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Birkenbihl macht, in der für sie später charakteristischen Art, Nägel mit Köpfen und liefert für alles, was sie erläutert, konkrete und anschauliche Beispiele. Nimmt man es genau, dann ist das gesamte Buch ein solches Beispiel. Es ist leicht als ein Produkt aus dem Macintosh zu erkennen: Die Schriften zeigen sichtbare Pixeltreppen und die Zeichnungen haben in gerasterten Flächen oft Streifen, die beim direkten Fotosatz oder Laserdruck nicht aufgetreten wären.

Nur das letzte Drittel des Buches befasst sich ausgiebig mit Tricks und Kniffen bei der Benutzung von konkrete Programmen. Kapitel eins bis sechs sind so allgemein gehalten, dass sie vielleicht auch heute noch umsetzbar sind. Obwohl zum Beispiel in der Zeit allgegenwärtiger Digitalkameras niemand mehr bemalte Folie zum Abzeichen auf seinen Monitor kleben würde.

Die zentrale Botschaft ist, die Fähigkeiten der rechten Gehirnhälfte zu nutzen und keine tausend Wörter zu schreiben, wenn sie durch ein einziges Bild vermittelt werden können. Wie man diesem Anspruch gerecht wird zeigt Birkenbihl im Verlauf an Beispielen aus verschiedensten Situationen. Dabei beschäftigt sie sich zuerst mit den grundlegenden Techniken, wie dem Zeichnen. Danach wendet sie diese Techniken zielgerichtet an, um Präsentationen und Formulare zu erstellen. Auch Konstruktions- und Wegbeschreibungen, ein Kinematikon sowie Raumpläne und Werbeanzeigen sind unter den Anwendungsbeispielen. Besonders gut werden Birkenbihls Kernbereiche illustriert: Lernen, Kreativität und Kommunikation.

Abwechslungsreich und kurzweilig liest sich dieses inspirierte und inspirierende Buch - wenn auch heute nicht mehr unbedingt bis zur letzten Seite: Die Programme, die im dritten Teil des Buches besprochen werden, sind heute weitgehend unbekannt. In jedem Fall ist das Buch zugleich eine Zeitreise zu den Ursprüngen des Desktop-Publishing, als das gedruckte Wort Gewicht hatte und bevor das Internet das Leben der Menschen beeinflusste.

Bitnacht Wertung: ☽☽☽☽✦ (vier von fünf Mondnächten)


Hinter den Tasten

Vielen Menschen geht es ja wie mir: Sie müssen mal mit dem Mac und mal mit einem PC arbeiten. Während manche Linux-Distributionen eine Tastaturbelegung für Macs mitbringen, haben weder Windows noch der Mac eine passende Belegung für den jeweils anderen Tastaturtyp dabei.

Während bei US-Belegungen kaum Unterschiede zu bemerken sind, ist es für uns in Deutschland etwas kniffliger. Wer eine Mac-Tastatur am Windows-Rechner haben will, oder mit BootCamp den Mac für Windows benutzt, kann unter diesem Link eine passende Layout-Datei finden.

Wem es andersherum besser gefällt auch auf dem Mac die Belegung eines PCs zu haben, für den habe ich eine Datei erzeugt, die man unter „~/Library/Keyboard Layouts“ ablegen kann (Finder→„Gehe zum Ordner…“). Anschließend findet man unter Systemeinstellungen →Tastatur → Eingabequellen →„+“ →„Andere…“ den Eintrag „PC Smarty, Deutsch“. Dabei sind nicht alle Beledungen des PCs, aber die wichtigsten. Als besonderes Schmankerl habe ich die typographischen Anführungszeichen auf ALT+1 und ALT+2 gelegt und einen zweiten Klammeraffen(@) an der Mac-Position (ALT+L) versteckt.

Zum erstellen eigener Tastatur-Layouts gibt es auf dem Mac Ukelele (sic!) und unter Windows MSKLC.

Advent, Advent

Morgen wird schon wieder die erste Kerze angezündet. Eine gute Zeit um sich ruhig hinzusetzen und in alten Erinnerungen zu schwelgen. Zum Beispiel könnte ich meine 2520 alten Tweets (Download 2016-2017) noch einmal lesen. (Die meisten anderen Tweets von anderen sind ja so langweilig. 😉)

Ich habe im Netz übrigens den perfekten Adventskalender für Bitnacht gefunden: Ein leuchtender Adventskalender.

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Ich wünsche allen eine besinnliche Zeit.


© Sven Mertens 2018