Schon wieder tausende Tweets

Zur Feier des Tages habe ich mit Logoist 4 meine künstlerische Re-Interpretation des Eaglesoft-Adlers gemacht. Grundlage ist die automatische Vektorisierung von Logoist.

Nachdem ich (zum 2. Mal) mein Twitter-Konto gelöscht hatte, bin ich im Juli letzten Jahres zurückgekehrt und habe jetzt tausend neue Tweets, wenn ich diesen Blogeintrag auch noch twittere. 

Obduction

Derzeit spiele ich den Myst-Nachfolger „Obduction“ von Cyan. Das nunmehr vier Jahre alte Puzzlespiel ist bisher recht spannend und hat durchaus seine Herausforderungen.

Ich überlege derzeit, ob ich nicht einen Gastbeitrag für Videospielgeschichten schreiben soll. Vielleicht wäre Obduction ja ein gutes Thema für mich? Ich muss einmal schauen, ob der weitere Verlauf des Spiels mich ausreichend inspiriert.

Viktorianische Programmierung

Sherlock Holmes und Computer? Vor ein paar Wochen wollte ich mal wieder einen kurzen Comic-Strip zeichnen und hatte eine Idee: Ich könnte Sherlock Holmes einen Computer geben. Aber hatte schon jemand anderer diese grandiose Idee? Natürlich. Mit Google fand ich heraus, dass es zwei Bücher zu dem Thema gibt. Das eine ist ein Buch mit Programmen in Basic, das andere ist das gleiche Buch aber mit Pascal Quellcode. Ersteres - Elementary Basic von Henry Ledgard und Andrew Singer - war leichter zu bekommen.

Sherlock Bits

Die Illustrationen in dem Buch sind bis auf die erste alles klassische Bilder, die man aus den populären Geschichten kennt. Aber in der Einleitung gibt es ein Bild der Analytical Engine. Tatsächlich hätte Holmes eine solche Maschine besitzen können, aber in den Details ist das Buch hier nicht ganz stimmig.

Im Wesentlichen handelt es sich um eine Einführung in die Programmierung, die im Gewand einer Sammlung von Kriminalgeschichten daher kommt. Hier wird nicht die Programmiersprache mit ihrem logischen Aufbau und ihrer Syntax in den Vordergrund gestellt. Vielmehr wird hier explorativ von einem mehr oder weniger übersichtlichen Beispiel begonnen und erst im Anhang eine formale Grammatik angegeben. Immer wieder werden Krimi-Elemente aufgenommen, aber selten führen sie all zu weit von dem Kern der Darstellung fort.

Zwar habe ich das Buch bislang nur überflogen, aber es scheint, dass es den Autoren wirklich gelungen ist, ein lesenswertes Buch zu erstellen, in dem nicht nur einfachste Grundlagen, sondern eine ordentliche Basis für ernsthafte Programmierung gelegt wird, ohne dabei den Spaß zu verlieren, den die abenteuerlichen Erzählungen über den Detektiv aus der Baker Street 221b mit sich bringen. Ich werde in den folgenden Sommertagen unter dem Kirschbaum gewiss noch die eine oder andere Seite in Ruhe lesen wollen.

Der Mandalorianer und Disney+

Das hat sich gelohnt: Seit dem 24. haben wir Disney+ und schauen es momentan ausschließlich über das Apple TV. Vom Mandalorianer haben wir jetzt die dritte Episode geschaut. Zeit für ein Resümee.

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Western und Science-Fiction zu kombinieren ist mittlerweile etabliert. Der Genre-Mix funktioniert bei „The Mandalorian“ hervorragend. Der schmissige Soundtrack lässt vergessen, dass der Kopfgeldjäger Helm statt Hut trägt und keine Sporen hat. Ein Baby mit Zauberkräften muss beschützt werden - so die Story. Mit modernster Tricktechnik und mehr Star-Wars-Feeling als in den letzten drei Kinofilmen spielt sich die Serie bei Disney+ ganz nach vorne. Aber es ist die Art, wie die Geschichte erzählt wird, die uns am besten gefällt.

Aber der Mandalorianer ist beileibe nicht das einzige Kleinod auf Disney+. Mehr noch als bei Prime oder Netflix findet man auf Anhieb dutzende Klassiker und auch einige interessante neue Sachen. Es sind so viele sehenswerte Filme und Serien dabei, dass ich mich schwertue überhaupt eine Aufzählung zu beginnen. Kritiker mögen behaupten, es sei zu viel „heile Welt“ in den Disney-Filmen und vermeintlich spannendere Kost bevorzugen, aber für mich ist das Repertoire – gerade in der Kombination mit TV+ – genau richtig.

Große und kleine Geschichten

Gehen die kleinen Geschichten zu oft verloren? Viele Autoren wollen ein großes Werk schaffen. Sie denken an epische Erzählungen, wie die von J.R.R. Tolkien. Fernsehserien und Kinoreihen ziehen sich über Jahre hinweg und fesseln Millionen von Zuschauern. Aber nicht jede Idee hat die Kraft und Breite, die es braucht, um eine solche Ausdehnung zu erreichen. 

Auch Freizeitautoren, wie ein Bekannter von mir, arbeiten oft an umfangreichen Sagas, dabei ist eine Kurzgeschichte zwischendurch sicherlich schon mehr Arbeit als genug. Während Soziale Netzwerke mit dem Meme den Aphorismus neu erfunden haben, erreichen kurze, einzeln stehende Werke kaum größere Beachtung. Dabei würde es mich wundern, wenn es davon nicht eine unglaubliche Menge gäbe, oder zumindest das Potenzial dafür.

Hätte Van Gogh kein einziges Bild außer „Sternennacht“ gemalt, würden wir ihn heute kennen? Wäre zumindest das Bild bekannt? Gäbe es heute noch Texte von Christian Morgenstern, wenn sie nicht in Sammelbänden erschienen wären? Eine Aufnahme, die ich gerne mag, ist die Live-Version von Doro Peschs „Rare Diamond“, bei dem es nicht um Kunst oder Literatur geht. Aber die Vorstellung, dass es da draußen etwas Außergewöhnliches gibt, dass nur entdeckt werden will, ist in der vernetzten Gesellschaft umso schöner.

The sun always shines on TV und TV+

Vor 13 Jahren stellte Apple das erste Apple TV vor. Ich habe nie eines besessen, oder auch nur ausprobiert. Heute sind die Geräte technisch vielleicht gar nicht so verschieden und auch nicht so viel günstiger. Aber mein Alltag hat sich genug geändert, dass ich mich dazu durchgerungen habe, mir auch eines zu besorgen.

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Ein Jahr Nutzung des Apple Streaming-Dienstes TV+ ist im Preis mit inbegriffen und dabei lohnt sich vor allem die Serie Mythic Quest, obwohl auch die anderen Formate durchaus sehenswert sind.

Mich hat allerdings beinahe schockiert, dass die Bedienung wirklich nicht gut von der Hand geht. Man neigt sicher dazu die Fernbedienung dafür verantwortlich zu machen, aber stattdessen möchte ich meinen, dass die Menüs zur Film und Episodenauswahl einfach zu konfus sind und es unklar bleibt, ob ich den Bildschirm rolle (natürliches scrolling) oder den Cursor (anders herum). Am Anfang habe ich oft Siri benutzt, weil es für mich anders zu lang gedauert hat. Mittlerweile komme ich aber gut ohne Sprachsteuerung zurecht.

Über AirPort-Mirroring lässt sich nichts besonderes sagen. Es hat bei mir zuverlässig und problemlos funktioniert. Überhaupt ist das Erlebnis mit dem TV überraschend reibungsarm. Beim Einrichten wollte es sich mit dem 802.11n Netzwerk nicht verbinden, aber der Wechsel in das schnellere Netz lief sofort. Mit einem entsperrten iPhone kann man sich dann sämtliche Eingaben sparen und der Start ist fast vollautomatisch.

Ein externer Lautsprecher am Fernseher schaltete sich in leisen Passagen gelegentlich ab, was aber nicht unbedingt mit dem TV zu tun haben muss. Irritierend war auch, dass sich die HDMI Lautstärke nicht regeln lässt und wenn man es versucht, sofort ein Dialog zum Einrichten von Home-Kit-Lautsprechern angezeigt wird. Der ist aber so unglücklich formuliert, dass man annehmen könnte, es ginge darum die Fernbedienung einzurichten. Am Ende lief aber alles mit den internen Fernseher Lautsprechern und direkt über Bluetooth perfekt.

Sogar Inhalte, die augenscheinlich in 4k sind, starten ohne große Verzögerung, was ich wegen meiner vergleichsweise langsamen, ländlichen Internetanbindung nicht erwartet hätte. Sogar das Hin- und Herspulen im Video läuft flüssig und nicht etwa wie bei Youtube im Browser oder in der ZDF-Mediathek auf dem iPad, wo man nach dem Spulen stets mehrere lange Sekunden darauf hofft, dass man irgendwann wieder Bild und/oder Ton bekommt.

Insgesamt war für mich das Gerät also eine gute Investition, mit der ich dann auch für Disney+ gerüstet bin, um den Deutschlandstart von The Mandalorian mitzuerleben. Ich werde darüber dann auch zu gegebenen Zeitpunkt schreiben.

PS.: Würde ich nur für Mythic Quest ein TV+-Abo abschließen? Nein. Das habe ich damals schon bei Halt And Catch Fire (Einer - zumindest in den ersten beiden Staffeln - sehr guten Serie über die Anfänge der Computer für Zuhause) entschieden. Die gab es nur mit Amazon Prime. Weder Prime noch Netflix abonniere  ich selbst, aber seit ein paar Monaten ist im Freundeskreis beides vorhanden.

PPS.: Ich habe es nicht hinbekommen direkte Links auf TV-Inhalte zu erzeugen. Das war früher bei iTunes sehr einfach. Wenn da jemand einen Tipp für mich hat, wäre ich dankbar.  (Der Menüpunkt „Teilen“ scheint nichts zu tun und das Kontextmenü „Kopieren“ liefert nur „Neustart 47:41 Halt and Catch Fire Halt and Catch Fire, Staffel 1 Drama 0“ )

Mal eben schnell einen Comic machen

Als Demokratisierung der Druckerpresse, so wurde Desktop-Publishing damals gefeiert. Und so naheliegend wie es erscheinen mag, so wenig fand die Idee Beachtung, das gleiche für Comics zu tun. Dabei gibt es genau ein kommerziell erfolgreiches Vorbild: Comic Setter

Sollte der geneigte Leser andere Programme kennen, mit denen man ähnlich arbeiten kann, so möge er mich bitte informieren. Wie aber arbeitet man mit Comic Setter? Ich möchte etwas weiter ausholen.

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Die gängige Vorstellung vom Comiczeichner ist, dass er sich einfach ein Blatt Papier nimmt, einen guten Stift und das komplette Werk in ein paar Minuten aus der freien Hand malt. Vielleicht gesteht man dem Zeichner noch zu, dass er vorher eine Bleistiftskizze macht und erst später mit Tusche nachzeichnet. Am Ende wird dann bei Bedarf noch mit Copic Stiften Koloriert. Alles Handarbeit und ohne große Vorbereitungen.

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Und tatsächlich werden einige kleinere Comics beinahe so gemacht und Comiczeichner beginnen ihre Karriere gelegentlich mit einer solchen Methode, die viel vom Zeichner verlangt dann nicht immer die besten Ergebnisse liefert. Wenn dann die Frage aufkommt, wie man den Prozess mit dem Computer vereinfachen kann, dann endet die Vorstellungskraft meist mit einem Set-Up, wie es Scott Adams für seine Dilbert Comics verwendet: Es wird einfach ein großes Grafik-Tablet (Wacom) mit integriertem Bildschirm und Photoshop benutzt - Fertig!

Selbstverständlich erleichtert Photoshop es, Varianten zu erstellen und falsch gesetzte Striche zu korrigieren. Aber ist das wirklich alles, was man tun kann? Und fehlt uns nicht ein wichtiger Aufgabenteil, wenn wir nur vom Comic-Zeichner reden? Immerhin müssen die Geschichten oder Gags erdacht, entwickelt und geschrieben werden. Wenn es eine Serie wird, dann ist Charackter-Design im Spiel und ohne Referenzmaterial und Hilfslinien kommt auch der Zeichner nicht weit.

Es steckt also mehr dahinter, wenn man ein gewisses Niveau erreichen will. Aber schauen wir uns doch einmal ein paar erfolgreiche Comics aus dem Netz an. Xkcd, Erzählmirnix und andere haben ihre Optik so weit reduziert, dass man beinahe nicht mehr von Zeichnungen sprechen kann. Ist das schön? Muss das so sein? Was sagt es über eine Kultur aus, wenn nur noch das Nötigste gezeigt wird?

Ich denke, dass viele dieser reduzierten Comics tatsächlich besser aussehen könnten, ohne dass ihr Inhalt darunter leiden würde. Es ist nur so, dass die Macher beispielsweise keine Zeit haben, jeden Hintergrund in einem Panel vorher aufwendig zu skizzieren und am Ende ins Reine zu zeichnen.

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Deshalb bin ich vom Prinzip bei Comic Setter überzeugt. Dort wird eine Bibliothek von Hintergründen und Charakteren mitgeliefert, die leicht und schnell an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können, Beispielsweise gibt es verschiedene Haltungen für Arme und Beine, die dann mit einem Handgriff an die Figur angelegt werden können. Ein eingebautes Zeichenprogramm verfeinert die Bausteine, aus denen der Comic zusammengesetzt wird. Wer Zeit und Muße hat, kann seine eigenen Bausteine erzeugen und so seine ganz eigene Welt erschaffen, ohne bei jedem Panel wieder von Null anzufangen.

Natürlich steht und fällt ein solcher Ansatz mit der Verfügbarkeit von wirklich guten Zeichnungen, bei denen nicht die Lizenzmodelle verhindern, dass die Ergebnisse nach Belieben veröffentlicht oder verkauft werden. Leider scheint sich der Markt der Comic Programme aber nicht so sehr an Menschen mit wenig Zeit zu richten. Allerdings habe ich auch keinen genauen Überblick. Ich hätte eben gerne etwas, dass genau so ist wie Comic Setter, aber eben mehr auf dem technischen Stand der 80er, sondern moderne Software. Dann gäbe es hier im Blog bestimmt das eine oder andere Comic von mir.


Mechanische Schreibmaschine

Es ist nicht üblich, von einer „Sammlung“ zu sprechen, wenn die Anzahl der gesammelten Objekte genau eins ist. Bisher habe ich Tastaturen gesammelt, aber es waren stets Computer-Tastaturen. Nun habe ich meine erste eigene Schreibmaschine. Ein wirklich schönes Exemplar, wie ich finde. Sie hat vielleicht nich das erlesene Design einer Olivetti, aber sie strahlt eine beinahe jugendliche Frische aus, die einen nicht an verstaubte Schreibstuben denken lässt, sondern an sonnige Tage in den 70ern.

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Ich habe als Kind öfter mal auf einer vergleichbaren Maschine geschrieben, aber damals noch nicht im 10-Finger-System. Natürlich ist einem sofort bewusst, dass der unterschiedliche Andruck beim Schreiben ein unruhiges Bild ergeben kann, wenn man keine Elektrische hat. Insbesondere meine kleinen Finger sind durch den regelmäßigen Computergebrauch sehr verweichlicht, und damit das nicht zu sehr auffällt, angefangen stattdessen vorerst den Ringfinger zu nehmen.

Zu meiner Überraschung finde ich mit meinen Suchmaschinen kaum Informationen über die TA-Junior. Aus Wikipedia kann man folgern, dass das Modell vor allem in den 60ern verkauft wurde. Wer richtig gute Webseiten über solche und ähnliche  Schreibmaschinen kennt, der möge mir bitte eine Nachricht senden.


Oh Captain, mein Captain

Es sah für mich nach einem Zufall aus. Als ich bei GetDigital die Seife bestellte, deren Umschlagpapier in freundlichen großen Buchstaben die Aufforderung „Make it Soap“ neben dem Konterfei von Patrick Steward trägt, wusste ich nicht, dass die Veröffentlichung der neuen Amazon Serie mit dem Titel „Star Trek: Picard“ unmittelbar bevorstand. Gestern konnte ich mir aber - mit nach Earl Grey (bzw. Bergamotte) riechenden Händen - die erste Episode in netter Gesellschaft ansehen.

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Ist das noch Star Trek?

Ich habe recht viel gesehen: fast alle Folgen der ersten Serie mit Nimoy und Shatner, die meisten Kinofilme und wohl über hundert Stunden aus TNG, Voyager, DSN und Enterprise. Trotzdem habe ich mich nie als Trekkie gesehen, oder besondere Begeisterung (oder gar Enttäuschung) empfunden, wenn mal wieder etwas Neues aus der von E. W. Roddenberry erdachten Welt auftauchte.

Tatsächlich mochte ich „Star Trek: The Next Generation“ damals zuerst nicht besonders und brauchte auch eine Weile, um mich an den eher ruhigen Mann mit dem guten Geschmack bei Heißgetränken zu gewöhnen. Aber wenn ich heute Stewart auf dem Bildschirm in seiner alten Rolle sehe, dann ist es, als träfe man einen alten Bekannten. 

Es gibt Szenen, in denen er wirkt, wie McKellen in seiner Rolle als alternder Sherlock Holmes, wenn er auf seinem Weingut aus dem Fenster schaut. Das Idyll trügt! Vielleicht ist „Star Trek: Picard“ verstörender, als die Serien der Vergangenheit, in denen man sich darauf verlassen konnte, dass am Ende der Episode die Bedrohungen abgewendet waren und die Reise des Sternenschiffs weitergehen konnte. 

Ich bin ganz allgemein nicht besonders begeistert von der Art, wie in den letzten zwanzig Jahren vermehrt Geschichten in Film und Fernsehen erzählt werden. „Picard“ folgt auffällig diesem Muster, bei dem eine überraschende Wendung oft wichtiger zu sein scheint, als innere Konsistenz oder Erzähltiefe. Im Gegensatz zur Prequel-Serie zum Jim Henson Meilenstein „Der dunkle Kristall“, bei der ich über den Terror, den die Macher in die ehemals Kindliche Welt  eingeführt haben, einfach nicht hinweg komme, bin ich bei „Picard“ demgegenüber aber weitaus toleranter. Einerseits sind es schon immer erwachsenere Themen gewesen, mit denen sich Serien und Filme beschäftigten, andererseits verzichtet die erste Episode zumindest auf beklemmende, aussichtslose Bilder und lässt den bekannten Figuren ihre Würde.

Tatsächlich finde ich die neue Serie sogar als angenehm und abwechslungsreich. Ich würde durchaus noch die eine oder andere Episode schauen wollen. Gerne hätte ich allerdings R. W. Wheaton in seiner Rolle als Wesley Crusher mit einem neuen Auftritt gesehen. Er wäre sicher eine Bereicherung gewesen. Insbesondere wenn man ihn zunächst als einen Gegenspieler auf Seite der Sternenflotte eingeführt hätte, der dann später erneut zum Schulterschluss mit seinem alten Captain kommt.

Desktop-Umgebungen für Linux

"2020 ist das Jahr an dem Linux die Desktop-Computer erobert."  In dieser Art wird der Traum der Linux-Gemeinde jedes Jahr wieder zum Ausdruck gebracht. Seit 1996 scheint es denkbar, aber doch fehlte es bislang immer an der einen oder anderen Ecke. In den letzten 10 Jahren waren diese Lücken aber unerheblich klein geworden.

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Ich habe im vergangenen Jahr gelegentlich die Linux Distribution Manjaro in einer virtuellen Maschine laufen lassen und hatte nach einer Weile festgestellt, dass mir die Anpassungen am Desktop, die Manjaro macht, nicht alle gefallen haben. Also habe ich zunächst versucht einen Gnome-Desktop einzustellen, wie er von den Gnome-Machern gedacht war. Mir ging dabei auf, dass ich gar keinen Überblick über die GUIs der aktuellen Linuxe habe und ich habe beschlossen, die gängigsten einmal zu probieren und nach meinen persönlichen Vorlieben zu bewerten. Der vorliegende Text ist das Ergebnis.

Bei den Versuchen zeigte sich, dass der zum Test bestimmte PC USB-Tastaturen beim Booten ignoriert (wenn man die Ports an der Frontseite verwendet) und das DVD-Laufwerk sich nach dem Benutzen von Linux nicht öffnen lässt, dafür aber beim Hochlauf automatisch schließt. Das macht den Wechsel der Linux Boot-DVD unnötig kompliziert. Für diesen Test habe ich keinen HDPI-Monitor benutzt und die Bildschirmfotos sind teilweise mit einer Kamera gemacht worden. Beides geschah aus Bequemlichkeit. Aber meine Erfahrungen mit hohen Auflösungen sind außerhalb von Mac OS auch eher abschreckend gewesen.

Auswahl der Distribution

Für die Distribution habe ich Arya-Linux gewählt, weil ich annahm, dass es kaum eigene Anpassungen am Desktop vorgenommen hat. In diesem Punkt habe ich mich offenbar geirrt. Letztere Erkenntnis kam leider zu spät. Arya orientiert sich an LFS (Linux from Scratch), eine Distribution, die auf Quelltexten statt Binärpaketen basiert. Das merkt man dem heruntergeladenen Arya-Image nicht mehr an. Ubuntu und Mint habe ich zusätzlich angesehen, weil diese Distributionen den GNOME-Desktop geforkt (Cinnamon in Mint) bzw. so stark angepasst (Ubuntu) haben, dass man jeweils von einer eigenen Desktop-Umgebung sprechen kann.

Irritierend fand ich bei der Benutzung dann, dass praktisch durchgängig beim doppelklick auf eine Textdatei mit der Extension ".txt" und sogar bei ".org" ausgerechnet Libre Office gestartet wurde und bei Arya-Linux und Ubuntu der Emacs-Editor fehlt.

Nirgends konnte man den Spaltenmodus (wie im Finder) einstellen und die Option, Menüleiste und Fenstertitel im Mac-Stil aufzubauen, kontextfreie Popup-Menüs oder eine Shelf (wie z.B. bei NeXTSTEP) sind auch nicht zu finden, obwohl in den 90ern durchaus einige GUIs mit derartigen Features glänzen konnten. Die getesteten GUIs waren sich (nach den Maßstäben der Vergangenheit) recht ähnlich. Dies erleichtert den Umstieg, macht aber die Rechtfertigung für eine Koexistenz schwieriger. Dennoch kann man bei der Benutzung Unterschiede Feststellen, die im Folgenden beschrieben werden.

The K Desktop Environment (KDE)

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KDE hat einen direkten Klon des Taskbars von Windows

Ein erster Blick auf den Bildschirm von KDE lässt heute zuerst an Windows 10 denken: Da ist eine Taskbar mit Start-Knopf, Tray-Symbole und Fenster ohne Rahmen und mit einer eckigen, langweiligen Titelzeile.  Minimieren, maximieren, schließen - so kennt man das. 

Der Dateimanager heißt Dolphin und hat - wie heute unter Windows auch - kein Menüband mehr. Dafür unterstützt er es, ähnlich wie im Norton Commander, zwei Verzeichnisse nebeneinander im gleichen Fenster darzustellen. Eine Baumdarstellung hat er, aber nicht wie bei Windows. Dort wird nur in der Seitenleiste navigiert, während Dolphin die kombinierte Baum-/Listenansicht (wie beim Mac) als Alternative zur Icon-Ansicht anbietet. 

Schön ist, dass man einstellen kann, auf welcher Seite des Desktops Symbole zuerst abgelegt werden. Die KDE-Entwickler sind sich aber offenbar nicht einig, was die Sichtbarkeit von Funktionen angeht. Während man eine Schaltfläche auf dem Desktop platziert hat, die nur die Funktion hat das Kontext-Menü zu öffnen, ist der Wechsel der virtuellen Desktops erstmal nur durch das Kippen des Mausrades erreichbar.

XFCE

XFCE

XFCE enthält nur das Nötigste

XFCE hat bei AryaLinux ein Dock, das zunächst an den Mac erinnert, aber man kann diesem anscheinend nicht ohne Weiteres eigene Programme und Dateien mit Drag & Drop hinzufügen. Damit haben merkwürdiger Weise praktisch alle Umgebungen ein Problem. Bei keiner habe ich es geschafft das GUI-Programm XEyes ins Dock oder das Startmenü zu schieben. Von reinen Terminal-Programmen ganz zu schweigen. Aber letzteres kann der Mac, aus mir unbekannten Gründen, auch nicht.

Die Möglichkeiten, sich XFCE an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, scheinen begrenzt. Auch die Suchfunktion hält nicht mit der von modernen Desktops mit. Virtuelle Desktops werden prominent in der oberen Leiste angezeigt.

Mit dem Dateimanager Thunar kann man Dateien und Verknüpfungen in gewohnter Weise auf dem Schreibtisch ablegen. Wie bei KDE auf Wunsch auch auf der anderen Seite. Thunar unterstützt auch die Baumnavigation, wie man sie von Windows kennt.

Mate Desktop

Mate

Nichts für Anfänger: Der Mate Desktop

Mate ist aus einem Fork von Gnome 2 entstanden und sieht ein bisschen so aus, als hätte man KDE und XFCE gleichzeitig gestartet. Einstellungen macht man in einem Control Center und in den Preferences. Für die eine Sache hier für die andere dort. Schon beim Ändern des Passwortes und Verbinden mit dem WLAN scheiterten meine ersten Versuche.

Die Suche scheint gänzlich zu fehlen, dafür kann man aber Einstelldialoge mit zwei Buttons schließen und in jedem Fall die Änderungen übernehmen. Der Dateimanager, der auf den schönen Namen Caja getauft wurde, hat wie KDE eine Baum-/Listenansicht in der Auswahl

Gnome 3

GNOME wirkt modern … aber ungeschliffen

Letztendlich habe ich dann noch bemerkt, dass AryaLinux die Gnome-Shell nicht im Originalzustand ausliefert. Fast Jeder User benutzt ein Programm namens Tweak um seine eigenen Vorlieben einstellen zu können. Dadurch konnte ich die Schaltfläche zum schließen von Fenstern dann auch problemlos an die linke Seite bringen. Schön ist es auch, wie leicht sich die Symbole von Dateien und Verzeichnissen ändern lassen.  Weniger berauschend ist die Abhängigkeit von der (ausblendbaren) Seitenleiste ohne die man nicht einmal eine Ebene nach oben springen kann. 

Dateien, Ordner oder auch nur den Mülleimer auf dem Schreibtisch abzulegen unterstützt Gnome 3 von Haus aus nicht mehr. Das mag ordentlicher aussehen, ist aber im Ernstfall keine Arbeitserleichterung.

Beim Fenstermanagement punktet die Gnome-Shell mit einer guten Mission-Control-Darstellung, die sich über eine Mausgeste in der linken oberen Ecke aktivieren lässt. In dieser Darstellung gibt es dann auch ein Dock mit einem LaunchPad ähnlichem Button. Dieses Dock ist bei Ubuntu dauerhaft eingeblendet.

Als Text-Editor kommt der bekannte Gedit zum Einsatz - eine solide Wahl.

Ubuntu

Ubuntu

Ubuntu hat sich GNOME zurechtgebogen

Als die am weitesten verbreitete Distribution bei Einsteigern, muss ich Ubuntu einen Blick schenken. Vieles was ich über Gnome gesagt habe, stimmt auch hier. Allerdings ist nicht so viel einstellbar und der Charme der Distribution ist eher die Auswahl der mit gelieferten Programme und dem halbwegs gut bedienbaren Paketmanager.

Ubuntu hat zwar Icons auf dem Desktop, aber deren Behandlung ist wirklich verwirrend und kompliziert, so dass man sie besser nicht groß beachtet.

Cinnamon

Cinnamon

Leistungsstark: Cinnamon bei Mint


Auch Cinnamon hat sich bei Gnome 3 bedient, um die Umgebung zu erstellen, aber hier hat man sich viel weiter vom Original entfernt als bei Ubuntu. Nemo - Der Dateimanager - unterstützt das Nebeneinander von zwei Ordneransichten  (ebenso wie Dolphin unter KDE). Anstatt der Favoriten, die es bei Gnome gibt, hat man hier ein Bookmarks Menü, das aber keine Dateien, sondern nur Verzeichnisse aufnehmen kann. 

Es ist nicht alles Gold was glänzt

Mit Drag & Drop tut sich Cinnamon aber auch schwer. Programme einfach in die untere Leiste zeihen? Nicht möglich. Konsolenprogramme aus Nemo starten - keine chance.

Fazit

Der Anschein der Vielfalt bei Desktop-Umgebungen im Linux Umfeld trügt. Die drei Hauptlinien KDE, Gnome und XFCE unterscheiden sich eher in Details. Keine der Umgebungen setzt grundlegend andere Konzepte ein. Auch optisch ist nichts von der alten Aufbruchstimmung der ausgehenden 90er mehr zu sehen. Damals brachte der Exot Enlightenment die wildesten Fenster-Dekorationen, Window-Maker war ein ausgewachsener Klon des NeXT-Fenstermanagers und mit dem MLVWM, FVWM95 und AmiWM konnten Umsteiger der jeweiligen anderen Betriebssysteme sich wie zuhause fühlen. Auch den Ansatz des Common Desktop Environment, dass zusätzlich zum einheitlichen Desktop auch einen Satz gängiger mini-Anwendungen vereinheitlichen wollte wird nicht mehr verfolgt. Viele gute Ideen sind in Vermessenheit geraten und fristen heute ein Nischendasein. Einige davon werde ich vielleicht einmal auf Bitnacht vorstellen.


© Sven Mertens 2019