Der Haken bei »Rome Reborn«

In einer Tagesschau-Meldung zum Projek »Rome Reborn« tsieht man Bilder wie aus den besten Zeiten von Second Life: Sanft gleitet die Kamera durch halbwegs detailreiche 3D Modelle des antiken Rom. Virtuelle Touristen stehen an der Reiterstatue Mark Aurels, die zwischen vielen Säulen des Forum Romanum in der Sonne golden erstrahlt. 

Ein Blick in die App-Stores zeigt: Es gibt Rome Reborn auch für den Mac, aber nicht für iPhone und iPad. Für den Mac sind es drei Programme die unterschiedliche Preise haben. Vom günstigeren »Rome Reborn: The Basilica« nahm ich erstmal Abstand und wählte »Rome Reborn: Flight over Rome«. Ich habe guten Grund zur Annahme, dass meine Erkenntnisse auch für »Rome Reborn: The Roman Foum« gelten und bin nicht gewillt, erneut 8€ auszugeben um das zu bestätigen.

Zunächst grüßt den Käufer das Logo der Unity-Engine (wenn man das Programm gestartet und die Auflösung gewählt hat). Wer bei diesem Namen aber tolle Spielegrafik erwartet, der wird bitter enttäuscht. Denn zwar ist die Auflösung zeitgemäß und jenseits von HD, aber alles was man bekommt ist eine Reihe von einfach schattierten Kugelpanoramas. Standbilder, die man mit der Maus verschieben kann. (Leser meines Blogs kennen die Technik aus dem virtuellen Besuch des Apple Museums) Man bekommt nicht einmal den Eindruck eines kontinuierlichen Flugs: Nach jedem Ortswechsel muss man sich neu orientieren, weil die Übergänge fehlen. Die Informationen im Programm mögen ja das Geld wert sein, aber die Bilder sind es nicht, denn Flight over Rome hätte man - ohne große Änderungen - in den 90ern als Web-App mit Quicktime-VR gestalten können. Nicht einmal der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit, den das Programm anbietet, ist gelungen. Es wird ein deutlicher Versatz zwischen den Bildern sichtbar, der das identifizieren von Ruinen im modernen Stadtbild extrem erschwert.

Nichtsdestotrotz gibt es im Netz sehenswerte Videos des Projekts. Vielleicht wird es dazu irgendwann auch mal ein empfehlenswertes Programm geben, aber Flight over Rome ist das nicht.

© Sven Mertens 2018